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• MUSIKsein Ich möchte mich beschweren. Ich meine, ich war mental darauf vorbereitet. Aber im Grunde genommen ist es eine Frechheit. Wofür, bitteschön?

Ich ging am Freitag nachmittag zur Theaterkasse, um mal anzufragen, was die Tickets für das Konzert von Coldplay im September in Berlin kosten sollen. Der nette Mann musste nicht erst in seine Liste kucken, obwohl der Verkauf gerade erst begonnen hatte, waren offensichtlich schon viele mit der selben Frage vor mir da. Seine Antwort ganz trocken: “So zwischen 61 und 67 Euro.” Aha. Danke. Ich meine: Nein, danke.

Für Jack Johnson wurde ich schon eine ganze Weile eher enteuphorisiert, auch der kostet immerhin 45,20€. Ich frage mich: Wozu? Ich meine, überlegt mal, wie viele Leute in die O2-Arena passen, oder in die Wuhlheide. Und die zahlen das alle. Wo geht das ganze Geld hin? Und können Coldplay und Jack Johnson dann vielleicht einfach n bisschen weniger spenden, damit mehr Leute sich ihre Konzerte leisten können?

Nicht, dass das jetzt so’n Riesenproblem wäre. Aber für manche ist es das sicher. Und ich sehe es auch einfach nicht ein. Irgendwo ist einfach eine Grenze. Ich zahle doch nicht soviel Geld für gerade mal zwei Stunden Spaß. Ich meine, das ist einfach unverhältnissmäßig. Da braucht sich niemand wundern, dass die Ärzte es schaffen, dass alle sechs Konzerte in Berlin ausverkauft sind. Ich würde nicht sagen, dass deren Musik jetzt soviel besser ist. Die kosten einfach bloß die Hälfte.

Ich werde mich jetzt ein wenig abregen und in die Sonne setzen. Jack Johnson spielt heute im Mauerpark, und zwar ganz für mich allein, und umsonst noch dazu.   


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• WELTseinIch weiß nichts, wie’s euch geht, ich hatte Bock auf Urlaub. (Wie sich zeigte, war das genau die richtige Entscheidung, denn jetzt wo Berge von Referaten über mir einbrechen, wäre das nicht mehr möglich gewesen.) Also nahm ich den Liebsten und packte unseren Koffer für ein verlängertes Wochenende auf Usedom.

Die Unterkunft gab’s für Umme bei Gabi und Martin, die wir über das Hospitality-Club-Netzwerk angeschrieben hatten. Dort bieten/suchen Menschen auf der ganzen Welt Unterkünfte, Stadtführungen und/oder Essen. Gegenleistung sind Respekt und jede Menge interessante Gespräche. Die Hinfahrt haben wir über die Mitfahrzentrale organisiert, leider nur bis Trassenheide, den Rest sind wir dann getrampt. (An dieser Stelle keine Ausführungen darüber, wer wie erfolgreich war mit Daumen/Dekolleté)

Endlich da gönnten wir uns ein gemächliches Standardprogramm mit Strandspaziergang, Sonnen und Ins-Wasser-Schauen. Am Abend hatte wir viel Spaß mit unseren Gastgebern beim Spieleabend. Am nächsten Tag haben wir eine Fahrradtour gemacht, waren Minigolf spielen (altes Kindheitstrauma bewältigt!), und als es anfing zu Regnen, haben wir uns in die Ostseetherme verkrochen. Ich bin versucht zu sagen, der horrende Eintrittspreis war es wert: Wir pendelten zwischen Solebecken, Römischem Dampfbad, Außenbecken (mit warmen Wasser, logisch.) und Rutsche. Der Spieleabend wurde entsprechend kurz: Viel frische Luft macht müde.

Am letzten Tag war’s kühl, sonnig und windig: Bestes Wetter also zum Drachensteigen. Wir saßen im Strandkorb und rannten durch Sand und fanden eine Flaschenpost, schrieben Botschaften in den Sand und sahen zu, wie die Wellen sie langsam verschwinden ließen. Und dann war’s leider auch schon wieder Zeit und wir fuhren nach Hause zurück. Mit dem Zug, mit ‘nem Wochenendticket, mit drei anderen Berlinern.


• MUSIKseinMan nehme: etwa sieben Stunden Sonne, eine große Schüssel Eiscreme, frisches Obst nach Wahl, mindestens zwei Liter Wasser, eine Decke, ein Stück Wiese eine Gitarre und nette Menschenstimmen, fertig ist der perfekte Sommertag. Für musikalisch nicht so Begabte, oder Faule hier ein paar Alternativen:

Jack Johnson geht immer, zu allem. Der Sommersong schlechthin ist da schwer ausfindig zu machen. Ich empfehle das ganze Album “In Between Dreams”.

Heather Nova steuert auch gleich ein ganzes Sommeralbum bei: South. Schon das Cover schreit nach Strandhaus.

Wenn die Sonne langsam untergeht: Keren Ann mit “Not going anywhere”.

Und schließlich für die coole Clubnacht: Morcheeba mit “Trigger Hippie”.

Und wer muss auf euren Sommersoundtrack?


Die Kahlo

12Mai08

• BELESENseinEine stille Biografie? Was soll das denn sein? Und, was bringt das?

Nun, sie lässt die Beschriebene, Frida Kahlo nämlich, selbst zu Wort kommen. Ohne das diese jedoch selbst geschrieben hätte. Raquel Tibol hat nur durch Briefe, Notizen und Telegramme der mexikanische Ausnahmekünstlerin ein Werk herausgebracht, dass mit den gängigen Traditionen einer Biografie bricht. Einzig Frida kommt zu Wort, und erzählt, was sie bewegt.

Wer weiß, dass Frida durch einen schweren Busunfall Zeit ihres Lebens gesundheitliche Probleme vor allem mit Wirbelsäule und Fuß hatte, und keine Kinder bekommen konnte, und wer den Film “Frida” mit Salma Hayek kennt, ist gut beraten.

Denn auch wenn Frida über ihr Leben, ihr Leiden und ihre Lieben schreibt, so bleiben einem doch, oder gerade deshalb die großen Zusammenhänge verborgen. Man lernt Frida kennen, nicht ihr Leben.

Es begeistert vor allem die Sprache der Malerin, deren Stil stark durch den Unfall beeinflusst wurde. In ihren Werken verbindet sie Surrealismus mit mexikanischer Folklore und autobiografischen Elementen und einer barocken Maltechnik. Ihre Worte wählt sie “mit dem Herz auf der Zunge, in einer freimütigen, phantasievollen Sprache.”, so die Herausgeberin. 

Frida Kahlo
“Jetzt, wo Du mich verläßt, liebe ich Dich mehr denn je”
SchirmerGraf, 2004, 23,99 Euro (amazon.de)
ISBN 978-3-86555-048-4


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