• MUSIKseinGastautor Norman Neubauer berichtet für freisein vom Tanz- und Folkfestival in Rudolstadt.

“We had joy, we had fun…” Da denkt man doch gleich an Schlaghosen, Dope und Blumenkinder, nicht?! Schublade zu: Folk-Musik ist mehr und kann mehr, als nostalgischen Vögeln ein Nest zu bereiten. Im Grunde ist Folk für alle da, Weltmusik eben. Um so besser, dass das größte Folk-Festival Europas umme Ecke ist; das TFF in Rudolstadt.

Die edle Bescheidenheit mal eben beiseite: bisher dachte ich, die wirklich interessanten Festivals besucht zu haben und dass die alten Zeiten der guten Festivals einfach mal sowas von vorbei sind. Ich gehöre nämlich zu der Quängel-Fraktion, die stets im Kehrreim vor sich her grummelt, dass in den 90ern alles besser war (Dosenbier, D-Mark-Preise, die Welt ohne Iggy’s Stooges-Reunion, etc. pp). Irgendwann fing man dann in Scharen an die Daumen rauszustrecken und fuhr nach Budapest, zum Sziget.
Jetzt –oder besser gesagt jetzt erst- ärgere ich mich, dass ich nie zuvor vom TFF gehört habe. ‘Liegt vermutlich an dieser Schubladen-Geschichte: man ist Grunge, man ist Reggae, was-weiss-ich, ‘hört sich so lange dumm und dämlich, bis alle sogenannten Meisterwerke, Kultscheiben und Gassenhauer bestimmter Szenen und Genres einem zu Kopf steigen und vergisst dabei zweierlei: die Welt, und noch viel schlimmer, die Musik!

Bin ich jetzt etwa alt geworden?
Nope, das TFF ist halt so. Es geht einem ins Blut und steigt eben nicht zu Kopf. Ein Line-up, sag ich Euch, vom Feinsten! Keine Ahnung, was da für Interpreten waren.
Ein Wochenende voller Überraschungen, ohne die elenden Foo Fighters wie jedes Jahr. Dass diese Musiker hierzulande unbekannt sind und vermutlich bleiben, ist ganz und gar meine und Eure Schuld. Ich hab nach dem TFF nicht eine einzige Band im MySpace-Dschungel besucht: weil der so genossene Moment in Rudolstadt nicht zerstört werden sollte. Ah doch, eine Ausnahme. Bitteschoen, Vorhang auf:

Wer bei sowas Schönem noch auf dumme Gedanken kommt, weiss wohl selber nicht genau, wo er die Dummheit hernimmt. Das hat nichts, rein gar nichts mit Geschmack zu tun. Es ist perfekt und bezaubernd.

Blöd ist jetzt nur, dass ich gerne quängel. Ich liebe es zu meckern. Ich werde auch nicht jünger. Nur finde ich leider nichts, über das ich mich köstlich auslasssen könnte.
Die Rudolstädter? Leider nein. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten, wo Bürgerinitiativen und –meister Festivalbesucher wie unerwünschtes Gesindel in die Aussenbezirke drängten – ich nenne da als Beispiel die Stadt Bizarre mit ihrem Köln-Festival – hatte man das Gefühl, dass die Locals das TFF mögen und die zigtausend Gäste herzlich Willkommen heissen.
Die sanitären Anlagen wenigstens? Nee, Fehlanzeige, tadellos.
Nächstes Jahr wieder, keine Frage. Ohne Foo-Fighters, hoffentlich.

Na wenigstens zum Schluss noch: das Sziget ist auch nicht mehr das, was es mal war! Innerhalb einer Woche hätte ich 10.000 Unterschriften locker beisammen.



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