Berlin, du bist so wunderbar…?!
• WIRsein • Mein Nachbar ist den treuen Lesern schon hinlänglich bekannt. (Für alle anderen hier nochmal eine kleine Einführung.) Auch wenn er ein recht unangenehmer Zeitgenosse ist, habe ich ihn noch nicht bei rottenneighbor.com angeprangert. Er ist, mit all seinen Macken, ein Berliner Urgestein.
Die Stadt ist, wie viele Großstädte, ein hartes Pflaster. Da muss man sich einen dicken Pelz besorgen. Das ist vielleicht einer der Hauptgründe dafür, dass mein Nachbar so ist, wie er ist. Allerdings könnte das auch daran liegen, dass er nie zu schlafen scheint. Egal. Zurück zum Problem: Der Berliner, auch die Berlinerin, sofern er/sie nicht zugezogen ist, gilt im allgemeinen als etwas kühl. Gängige Synonyme sind auch mürrisch, unfreundlich, dreist, agressiv.
Das ist natürlich keine gute Werbung. Weil Klaus Wowereit aber immer predigt ‘be berlin’, habe ich das Web nach dem unfreundlichen Berliner durchforstet. Die schönsten Annekdötchen hab ich mal zusammengeklaubt.
Volker Strübing vom Schnipselfriedhof: “Ich war mit einem alten Freund, den ich in den letzten Jahren nur sehr selten gesehen habe, in einem Biergarten in Kreuzberg. Schön war’s. Er hatte den ersten Wein geholt, irgendwann war ich dann mit dem zweiten an der Reihe.
Er: Wenn se fragt, sagste, du willst den spritzigen trockenen. Die ham auch noch einen, der nur trocken ist./Ich: Den spritzigen trockenen, okay!/Ich (zur Frau in der Getränkeausschankbude): Ich hätte gern noch zwei Weißwein. Kann gleich hier in die Gläser. Den, der trocken und spritzig ist, bitte./Sie: Häh?/Ich: Ähm, das hat mir mein Kumpel so gesagt. Vielleicht ist er ja vorhin von deiner Kollegin bed …/Sie: Oh Mann! Kannste nich einfach sagen, welche Sorte du hattest?!/Ich: Ähm, ich weiß ja nicht, was für …/Sie: Oh Mann!/Ich: Was gibt’s denn für wel…/Sie: War’s der hier?! (Kippt mit wütendem Gesichtsausdruck einen Schluck Wein in eins der Gläser.)/Ich (koste verschüchtert und nicke, obwohl ich mir nicht sicher bin – egal!)/Sie: Sach das doch gleich, Mann! 6 Euro. Hab die Schnauze voll, weißte! Da drüben wartet ‘n Stück Pizza auf mich und wird kalt, verstehste. Hach! Aber normalerweise bin ich ganz freundlich./Ich (reiche ihr 6 Euro): Und ich geb normalerweise Trinkgeld.“
Kommentar von norbert bei Verenas Weltlaterne: „Vor Jahren bin ich in Berlin mal mit langen Schritten auf den Bahnsteig geeilt, um die S-Bahn trotzdem nur noch von hinten zu sehen. Gleich neben der Treppe stand ein rotbemützter Bahnmensch und fragte mich grinsend: ‘Na S-Bahn verpasst?’. Leicht außer Atem antwortete ich ihm damals ‘Nee, verscheucht!’ Worauf er lachend meinte ‘Det macht nüscht, in 4 Minuten kommt wieda eene.’“
Verena selber: „Einer hat neulich nach der coolsten Kneipe im Kiez gefragt und wurde mit der Bahn nach Neuköln geschickt“
„Geht man in Restdeutschland morgens in eine Bäckerei, um Brötchen zu kaufen, wird man freundlich lächelnd begrüßt und erhält, was man gewünscht hat. Nicht so in Berlin. Die blonde Berliner Bäckereibarbie hinter dem Tresen zieht, beim Hören des Wortes ‘Brötchen’, die rechte Augenbraue kurz bis hinter ihren Scheitel und ihr kaugummikauender Mund öffnet sich leicht verächtlich und heraus kommt ein “Dette jibt hier net.” Irritation macht sich breit, natürlich nur bei einem selbst. Das blonde Ding dreht sich um, beschäftigt sich weiter mit irgendwas, nur nicht mehr mit dir. Kunde will was, das hat sie nicht. Erledigt. Berliner sind da sehr praktisch veranlagt. Du selbst starrst verdattert auf das Meer an Brötchen, das sich in greifbarer Nähe hinter der Glasscheibe tummelt und fühlst Dich plötzlich so schrecklich verloren in dieser großen Stadt.“ Weiterlesen bei sara.
Unterm Strich zitiere ich Anneliese Bödecker: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch. Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die hier nicht leben können!“
Erzähl’ mir deine Geschichte vom ruppigen Berliner!
Filed under: freithema | 5 Comments
Tags: Berliner, Eigenart(en), Nachbar, ruppig, unfreundlich, unfreundliche Berliner
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In Berlin (Pankow) kann man alles machen. Ich will meine Ideale und Träume in dieser Stadt verwirklichen. Sehen. Verstehen. Fühlen.
die autorin
Name: Hendrikje Grunow
Wohnort: Berlin
Ist: Wahlberlinerin
Wird: Weltbürgerin
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Ick kenn’ gar keene ruppigen Berlin-Jeschischten. Ick wes och nicht, aba zu mir sind-se ümmer janz freundlich.
Naja, in deinem fall bist ja auch du der…
„Berlinerisch“ spricht man, aber man tippt es nicht in die Tastatur und veröffentlicht sowas auch nicht zum Lesen: Daran erkennt man immer den Nicht-Berliner. Der auch zum Funkturm „Langer Lulatsch“ sagt, und zur Siegessäule „Goldelse“, undsoweiter. So reden und schreiben und daran erkennt man auswärtige „Möchtegernberliner“, besonders die zugereisten „icke-bin-ooch-imma-dabei“-Journalisten, ha!
Wie man sieht ist auch Klaus eines dieser besonderen Exemplare.
Aber das macht doch irgendwie auch den Reiz von Berlin aus, oder?