E(ga)lité?

26Apr08

• BELESENsein“Obwohl es ja nur eine Recherche war, entwickelte ich plötzlich den Ehrgeiz, diesen Auswahltest um jeden Preis zu schaffen. Am Ende hielt ich einen Vertrag in der Hand. McKinsey bot mir 67.000 Euro Einstiegsgehalt und einen Dienstwagen - meine Eintrittskarte in die Welt der Elite.” 

Sie sagte trotzdem “Nein”. Der Begriff der Elite allerdings ließ Julia Friedrichs nicht mehr los. Und so machte sich die 25-Jährige auf die Suche nach den Kaderschmieden der “Mächtigen von morgen” . Ihre Suche führte sie zur European Business School in Oestrich-Winkel, an die Bayerische Elite-Akademie, zum Maximilianeum, zu den FasTracKids und den Kindergarten Villa Ritz. Sie besuchte die Internate Schloss Neubeuern und Salem, die Otto-Beisheim School of Management und Harvard.

Antworten auf die Frage, was Elite ist, wer Elite ist und was Elite ausmacht, hat sie viele gefunden. Sie verheißen nicht immer eine rosige Zukunft. Manche machen Hoffnung, sprechen von Verantwortung für andere und besonderem Engagement und Leistung. Andere wiederum orientieren sich einzig an Herkunft, Macht und Kapital.

“Als ich meinen Eltern erzählte, dass ich den mit 67.000 Euro dotierten McKinsey-Vertrag abgelehnt hatte, waren sie nicht gerade glücklich. Für den Traum von der festen Anstellung hätte mein Vater, der Sozialdemokrat, offensichtlich nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn seine Tochter sogar bei den Turbokapitalisten, die auch er stets kritisiert, angeheuert hätte. (…)

Haben sie schneller als ich begriffen, dass man in einer Zeit, in der man wieder mehr um die materielle Existenz bangt, solche Ideale vergessen sollte, sobald sie die Karriere behindern? Aber welchen Wert haben Ideale, die man sich je nach Lage der Dinge leistet oder nicht, als wären sie luxoriöse Accessoires? War der Wunsch nach Gerechtigkeit, den ich für Konsens hielt, vielleicht nur Attitüde in einer Zeit, die dies zuließ?” 

Julia Friedrichs
“Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen.”
Hoffmann und Campe, 2008, 17,95 Euro (amazon.de)
ISBN 978-3-455-50051-6
 



4 Responses to “E(ga)lité?”  

  1. 1 Michaela

    Oh, das Buch wollte ich auch noch lesen. Und ich finde Ideale überlebenswichtig, auch wenn man dafür der Verlockung von Macht und Geld widerstehen muss.

  2. 2 orangensaftnotiz

    und wie findest du das buch?

  3. 3 wahlberlinerin

    Ich fand’s ziemlich gut. Streckenweise wurde mir ein bisschen unwohl. Wenn man darüber nach denkt, wo das vielleicht hinführt, und auch, wo es her kommt (aus dem Dritten Reich nämlich) wird mir himmelangst…

  4. 4 orangensaftnotiz

    na ja, diese nazi-rückführung ist ja en-vogue. aber gut, ich werde es lesen.

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