Was sagt man dazu?
11Mär08
• GEFRAGTsein •
„Every life saved this year in a poor country diminishes the quality of life for subsequent generations.“
Garrett Hardin, Living on a Lifeboat, in: BioSience 24/10, Oktober 1974
Filed under: Allgemeines | 9 Comments
Tags: arm, Arm&Reich, Garrett Hardin, Politik, Rettungsboot-Ethik, Spruch, ungerecht


Name: Hendrikje Grunow


das ist unfair! ohne den kontext stellst du ihn als unmenschen hin. das nennt man aus dem zusammenhang gerissenes zitat.
Sein Kontext ist, hilfsbedürftige Länder in 3 Kategorien einzuteilen: solche die es ohne fremde Hilfe schaffen, solche, die es auch dann nicht schaffen, und solche, die es nur schaffen, wenn man ihnen hilft. Vorletztere lässt er bevorzugt verrecken. Was ist daran jetzt unfair, dass ich diesen Kontext weg lasse?!
also: ich habe gerade mal was dazu gelesen. und so wie sich die sache für mich darstellt, muss man hier genau zwischen wissenschaftlichen modellen / konstrukten und der realität unterscheiden. der herr hardin präsentiert hier mit seiner „Rettungsbott-Metapher“ ein spannendes dilemma. als ökonom kommt er bei der theoretischen lösung des modells zu bestimmmten schlüssen. dazu trifft er gewisse annahmen – bsp. nutzenmaximierung des einzelnen. das ist völlig in ordnung – denn unterstellt man jeder person genau diese präferenz (nutzenmaximierung) und ich meine genau diese, also 1, präferenz, dann ist hardins lösung die logische schlussfolgerung. punkt aus ende. was du nun machst ist, dass du sagst, dass dir das ergebnis nicht gefällt und du deshalb hardin scheiße findest. das kannst du natürlich sagen, aber ist im endeffekt eine schlechte kritik, da du seine Annahmen nicht berücksichtigst. was du nun präsentieren müsstest, wäre eine alternative annahme (also nicht nutzenmaximierung) – um eine allgemein gültige lösung des dilemmas logisch herleiten zu können. da das aber äußerst kompliziert ist, halte ich hardins modell für sinnvoll. zu beachten ist natürlich, dass es sich um ein modell handelt, dass nicht mit der realität unbedingt übereinstimmen muss. es ist ein modell! aus dem wir aber sehr viel lernen können – nicht aber unbedingt danach handeln sollten. aber das ist dann eine ganz andere diskussion.
und um jetzt gleich richtig reinzuhauen: gleichberechtigung ist völlig unsinnig! kostet die volkswirtschaft millionen – jedes jahr. das ist eine tatsache. aber natürlich ist das volkswirtschaftliche system ein modell, dass auch auf bestimmten annahmen aufbaut. und natürlich soll das ergebnis ‘gleichberechtigung = kosten’ im modell, nicht zu weniger gleichberechtigung in der realität führen. entscheidend ist hier, gut zwischen realität und modell zu trennen. modelle vereinfachen die komplizierte realität und erklären bestimmte aspekt – zeigen zusammenhänge auf. doch nie sind sie realität und können deshalb auch niemals handlungsanweisungen geben bzw. lassen sich keine aus ihnen logisch / dialektisch ableiten. ein, wie ich finde, sehr wichtiger punkt bei der diskussion von wirtschaftlichen arbeiten. sonst ist man ganz schnell in der publizistik oder schlimmer BILD.
Tja, dann muss ich zu meiner Verteidigung und zu seiner Aburteilung anmerken, dass mein Standpunkt kein ökonomischer ist, sondern ein moralischer. Und dann ist, was er sagt nichts anderes als Genozid.
dann sag ich dir aber, dass du es nicht verstanden hast.
hier geht es nicht um moral! hier geht es um eine ökonomische betrachtung eines problems. hardin präsentiert eine ökonomische lösung dieses problems. und die ist schlüssig. das das in moralischen kategorien genozid ist, mag sein. aber darum geht es nicht! es geht nur darum, dass ein problem sinnvoll mit bestimmten konzepten gelöst wurde. das du nun das ergebnis eines ökonomischen konzepts mit moralischen maßstäben misst, ist methodisch nicht sinnvoll – gar falsch.
wenn du moralisch argumentierst, was ich in einer politikwissenschaftlichen hausarbeit für risikoreich halte, solltest du wenn schon denn schon, immer darauf achten, dass du den leuten das schwert in den bauch stößt, die entsprechend deiner grundannahmen zu – deiner meinung nach – falschen schlüssen kamen.
Zur Verdeutlichung:
Person A sagt: Wenn die Erde eine Scheibe ist, dann kann man runterfallen.
Du sagst: Die Erde ist eine Kugel, deshalb kann man nicht runterfallen.
Du kannst A nicht für seine Aussage kritisieren, da aus seiner Grundannahme heraus die Argumentation schlüssig ist.
Mir geht es aber um Moral. Und es geht um moralische Grundsätze hinter der Wirtschaftlichkeit. Und da schneidet er ganz klar schlecht ab. Ganz schlecht. Im Übrigen ist Hardin nicht Ökonom, sondern Ökologe und sagt in seinen Texten auch Sachen wie „But wise sovereigns seem not to exist in the poor world today.“ – was im Folgenden noch den Unterton „Die sind doch eh selbst dran Schuld“ bekommt. Und dann bekommt die Sache eine sehr faden Beigeschmack, wie ich finde. Man muss doch auch bei einer Theorie noch zwischen den Zeilen lesen, und der werte Herr vertritt hier absolut ultrarechte Positionen. Du würdest doch die NPD auch nicht für wirksame Propaganda loben.
1./2. Satz: Du verstehst es nicht! Nimm das Beispiel mit der Erde und denk darüber mal nach.
Alles weitere: Gut, ich habe ihn nicht gelesen. das ist natürlich ein punkt für dich. wenn dem so ist, dann ist er ein idiot. deshalb ja: aus dem zusammenhang gerissenes zitat! fakt ist aber: egal wie, muss man immer schauen, wie jemand argumentiert, d.h. aufgrund welcher annahmen kommt er zu welchen schlüssen.
und die NPD reklamiert für sich kein wissenschaftliches arbeiten. pass auf, mit welchen quellen du argumentierst! grr… methodik! methodik! jetzt weiß ich, warum unsere dozenten darum immer so ein terz machen. scheinbar ist es wichtig.
Ich verstehe durchaus, was du meinst, nur bin ich mir nicht so sicher, dass das wirklich nur ein Modell ist bei ihm. Ich habe ihn nämlich gelesen.
Und dass die NPD schlaue Leute hat, die sich um die Textchen kümmert, so, dass die dann auch gefressen werden von der Zielgruppe, da würde ich nicht davon ausgehen, dass das so unwissenschaftlich betrieben wird. Methodik-ätsch.