Kleines Horrorszenario
• ALLTAGsein • Die BVG streikt und die S-Bahn und die anderen machen mit, ab Montag. Das kann man auch bei Plaste lesen. Direkt aus der Haupstadt jetzt ein kleines Schreckensszenario, wie das in der Tat Montag aussehen könnte:
Sonntagabend: Die Straßen menschenleer, Totenstille. Eine Katze huscht um die Ecke, ein Mülleimerdeckel fällt scheppernd zu Boden. Durch die Straßen pfeift der Wind die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Man ahnt es: es ist die Ruhe vor dem Sturm.
Am Montagmorgen wirres Gewusel, überall umherirrende Menschen, verzweifelt, wütend. Autos stauen sich kilometerweit raus aus der Stadt. Über Berlin die ersten Hubschrauber, man hört Lautsprecheransagen wie: „Bewaren sie Ruhe!“ und „Die Busspur ist NICHT freigegeben, du Arschloch!“. Die Zustände an den Bahnhöfen katasrophal: Während man bei der U-Bahn ohnehin vor verschlossenen Türen steht, ist an allen anderen Stationen die Hölle los. Gefühlt viermal so viele Berliner wie sonst versuchen, mit der halbstündig verkehrenden Ringbahn wenigstens so weit zur Arbeit zu kommen, dass der Fußweg maximal 45 Minuten dauert. Die Polizei versammelt die Demonstrationserfahrensten um die Bahnhöfe. um die Passagierströhme umzuleiten. Einige haben die „innere Emigration“ gewählt, und bleiben zu Hause: Ich streike! hört man vielerorts die Menschen aus ihren Fenstern rufen.
Währendessen in Mitte: Unter den Linden wandern in ver.di-Plastik verpackte BVGler und rufen „11%! und keinen Cent weniger!“. Die Lage spitzt sich zu als gegen 11.30 Uhr die Server der Mitfahrzentrale zusammenbrechen wegen zu vieler Anfragen von Friedrichshain/Kreuzberg nach Mitte, Charlottenburg und Dahlem. Die Studenten sind wach. Es kommt zu ersten Gegenaktionen: der schwarze Block erscheint zu Skateboard und stellt die HarzIV Alternative zum Taxi. Für nur 1 Euro zu jedem beliebigen Ziel. Doch auch andere Volksgruppen sind aktiv. Die MaDHR, die Militanten alten Damen mit Handtaschen und Regenschirmen (unter Insidern auch gern „Madres“ genannt), bereiten sich auf den Straßenkampf vor.
Um 12.13 Uhr eskaliert die Gewalt, als die MaDHR auf die streikenden Bahner treffen. Die Polizei scheint machtlos, das eingesetzte CS-Gas schadet vor allem den ohnehin schon in Unterzahl Streikenden. Während alle Kräfte sich nun hier auf den Schutz der Gewerkschaftler konzentrieren, beginnen in den Aussenbezirken die Plünderungen der Lebensmittelgeschäfte. Wie ein Strohfeuer verbreitet sich der Streik: Der offentliche Dienst hat keine Lust auf den bürokratischen Wust, der jetzt auf sie zukommt, die Anwälte und Richter lehnen vorsorglich alle Verfahren zur Polizeigewalt ab, die Lebensmittellieferanten wollen sich dem Risiko des wütendend Mobs nicht aussetzen, die Presse hat bereits genug Schläge bekommen. Um 15.36 Uhr ruft Angela Merkel den Notstand aus und verbietet per Dekret Streiks für die nächsten Hundert Jahre, die BVGler werden ab Dienstag mit Polizeigewalt zum Arbeitsplatz befördert, sofern sie den noch behalten möchten. HartzIV wird für Streikende gestrichen.
Dienstagabend: Die Straßen menschenleer, Totenstille. Eine Katze huscht um die Ecke, ein Mülleimerdeckel fällt scheppernd zu Boden. Durch die Straßen pfeift der Wind die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Man ahnt es: es ist die Ruhe nach dem Sturm.
Filed under: freithema | 2 Comments
Tags: agressiv, Alltag, Berlin, BVG, Demo, S-Bahn, Streik, U-Bahn-Geschichte


Name: Hendrikje Grunow


So schlimm wird’s glücklicherweise ja jetzt doch nicht werden…
sehr gelacht…