Das Prinzip Hoffnung
• WIRsein • Ok, mit Hugo Chavez kann man einverstanden sein oder nicht. Aber verglichen mit dem, was ehemalige Regierungsbeamte der USA in den nächsten 94 Minuten von sich geben werden, befindet er sich definitiv auf der Seite der Guten. Wenn er erzählt, dass seine indigene Großmutter ihm Werte wie Solidarität vermittelt hat, dass man das wenige Brot noch mit anderen teilt, und das er auch barfuß gehen musste, dann möchte ich das gern glauben. Er kennt die Probleme vieler Venezolaner, die in den Armenvierteln (nicht nur von) Carácas leben und bis zu seiner Präsidentschaft aus der Gesellschaft quasi ausgeschlossen waren, aus eigener Erfahrung. Die Hügel, auf denen sie in maroden Rohbauten wohnen, waren vorher in den Landkarten als Grünflächen ausgezeichnet. Die Kamera spielt mit den Gegensätzen: Von der Luxusvilla, die sogar meine kühnsten Erwartungen übertrifft, zu den Slums ohne Wasser und Strom, über die Anden ins Weiße Haus und wieder zurück. Nicht nach Carácas, denn es geht nicht nur um Venezuela. John Pilger führt uns durch die Geschichte der amerikanischen Einmischung in Lateinamerika. Der australische Journalist, Autor und Filmemacher zeigt, wie oft schon die USA Wasser predigten und Wein tranken. Guatemala, Chile und Nicaragua sind nur einige Beispiele, bei denen demokratisch gewählte Regierungen mit Hilfe der US-Regierung oder des CIA gestürzt wurden, weil sie den sozialen Wandel versuchten. Das ist für den gut informierten Weltbürger freilich nichts neues. Wie das in „War on Democracy“ gezeigt wird, ist allerdings besonders. So ist zum Beispiel Kuba nur ein sehr kurzer Abschnitt gewidmet, lediglich um daran zu erinnern, wie beständig hier interveniert wird. Der sehr seriös auftretende Pilger nimmt sogar das so hochgelobte Chile endlich mal kritisch unter die Lupe, und zeigt, welchen Preis die eine Hälfte der Bevölkerung für den Wohlstand der anderen zahlt. Die vielen Interviews mit Folteropfern und sozial Benachteiligten zeichnen ein eindrucksvolles Portrait des „Hinterhofs“ der Vereinigten Staaten. Gerade sie sind es, die dem Film besondere Authentizität verleihen. Sie glauben an Demokratie und Freiheit, und sind immer wieder bereit, dafür zu kämpfen. Und diese Hoffnung kann ihnen keiner nehmen.
Die Deutschlandpremiere von „War on democracy“ fand am Dienstag im Rahmen des OneWorld Berlin Festivals für Menschenrechte und Medien statt.
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Tags: Arm&Reich, Einmischung, Film, Globalisierung, Hugo Chavez, John Pilger, Lateinamerika, Politik, USA, war on democracy


Name: Hendrikje Grunow


hm…. also ich hatte teilweise das gefühl, dass der film doch sehr einseitig ist. die präsentierten fakten war interessant und teilweise schockierend, auf der anderen seite wurden keine seriösen (im sinne von nicht-druchgeknallten-pensionierten-regierungsbeamten) gegenstimmen zugelassen… da ist natürlich die frage, wieso.
Ich finde, da ist eher die frage, ob es die gab und ob die was hätten ausrichten können. Die, wie du sagst, durchgeknallten-pensionierten Regierungsbeamten waren schließlich die, die’s gemacht haben. Eine authentischere Form der Berichterstattung ist meiner Meinung nach nicht möglich.
WOW herr chavez gehört zu den „guten“, man spricht von „authentischer“ berichterstattung, und „gut informierte Weltbürgerinnen“ wissen natürlich, dass die USA und CIA grundsätzlich jede soziale Verbesserung bekämpfen. … hat sich hier vielleicht ´ne ethnologiestudentin noch nicht von ihrer letzten sprachreise erholt?