•WIRsein • Ende Mai war er grosses Thema, Anfang Oktober ist immer noch keiner gefunden. Und dabei haben so viele mitgemacht: Sämtliche Berliner Tages- und Wochenzeitungen, -zeitschriften und Magazine haben ihre Leser zum Finden aufgerufen. Damit „Arm aber sexy“ bald der Vergangenheit angehört, wurde gedacht, gedichtet und diskutiert. Während das von Klaus Wowereit einberufene BerlinBoard noch überlegt, hat sich die Berlin Tourismus Marketing GmbH schon mal entschieden. Frei nach dem Motto „Verschwende dein Potential“ wirbt sie derzeit mit „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“ Als ob die Hauptstadt nichts zu bieten hätte, außer nicht gerade erfolgsverwöhnten Hertha-Fans.
Für Touristen ist Berlin ein Muss, denn bei einem derart breit gefächerten kulturellen Angebot ist die Stadt dennoch günstig geblieben. Eben arm, aber sexy. Die Hotelpreise liegen vielfach bei einem Drittel von beispielsweise London oder Mailand. Und wenn dann ein Bett gefunden ist, kann man die Stadt erkunden. Museumsinsel, Charlies Checkpoint, Holocaustmahnmal, Spreedampferfahrt, Theater, Kino, PubCrawl, Austellungen, Shoppen, Sport, Konzerte, Lesungen, Feste, Diskussionen, Demonstrationen, Café-Kultur, internationale Küche – das, was es in Berlin nicht gibt, muss erst noch gefunden werden.
Gerade diese Vielfalt könnte dem Slogan zum Verhängnis werden. Und wenn nicht dem Slogan selbst, dann dem BerlinBoard, also denen, die ihn aussuchen sollen. Schon seltsam, was für Leute der regierende Bürgermeister da so um sich versammelt hat. Immerhin sieben der zwölf Ausserwählten sind tatsächlich Berliner. Aber man möchte ohnehin gar nicht die eigentliche Zusammensetzung der Stadtbevölkerung repräsentieren. So sagt Björn Böhning (Senatskanzlei) im Interview mit der zitty: „Wir wollen eben nicht das übliche Berliner Netztwerk hier abbilden, sondern bewusst Repräsentanten mit internationaler Ausstrahlung gewinnen (…)“
Bleibt zu hoffen, dass dieses Gremium dennoch einen guten Riecher beweist. Vorschläge gibt es jedenfalls genug. Um nur einige zu nennen: „Ohne dich nur eine Stadt. Berlin.“, „Power ohne Mauer“, „Hauptsache Berlin“ oder „Berlin – wer hat, der hat“ (Leser der Berliner Morgenpost). Auch das Hauptstadtmagazin zitty lies sich nicht lumpen, und entwarf kurzer Hand eigene Kampagnen. Spitzenreiter hier: „Berlin. Wir können alles. Nur nix richtig.“ und „berlin. krass.“ mit dem einprägsamen Slogan: „Fickst du meine Stadt, fick ich deine Stadt“. Wirklich lustig wurde es vor allem im Kommentarbereich von Sven: http://www.pop64.de/blog/2007/05/29/die-besten-slogans-fuer-die-hauptstadt/#comments Mit berlintypischer Arroganz geht Joachim Bosse von der Werbeagentur DOJO ans Werk: „Mein Lieblingsclaim wäre: Berlin braucht keinen Slogan.“ Na dann hätten wir das ja auch geklärt!
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Tags: arm, Berlin, Monatsthema, sexy, Slogan, Verschwendung, Vielfalt, Werbung


Name: Hendrikje Grunow


Hab mich ein bisserl bei dir und deiner Kollegin der „frei sein beta blog“ umgesehen. Da spürt man ja förmlich euer Engagement (und nicht das übliche Gelabbere über die triste Zukunft). Gut so. Brav so. Weiter so.
Oh je – ist schon nicht leicht, Berlins Feeling in einem Slogan einzufangen. Würden Worte es überhaupt auf den Punkt bringen?
Ich will wieder nach Berlin (*heul*),
weil Berlin nun mal hat und daher keinen Slogan braucht, weil Hauptsache Hauptstadt (auch wenn alles, nur nix richtig). *schnief*
Tatatata, wir haben einen Slogan. Be Berlin ist zwar nicht aussagekräftig und nicht so richtig Berlin, aber darum ging es vielleicht sowieso nicht. Jetzt sind wir also Papst und Deutschland, und jetzt auch noch Berlin. Herzlichen Glückwunsch an die Kreativ-Nasen.