• GESPANNTseinIm Deutsche Guggenheim steht etwas. Es heist “Regulated Fool’s Milk Meadow” und ist eine Installation. Und genauso unverständlich wie ihr Titel ist, sieht sie auch aus. Eine Art Bergwerk aus Holzresten, Pappe, Erde und anderen Fundstücken aus der Welt der Recyclingcontainer. Man geht einmal rum, schaut durch die kleinen Fenster auf wachsendes Gras in Kisten. Dann geht man rein, auf eigene Gefahr und nie mit mehr als 19 anderen Leuten gleichzeitig. Was abenteuerlich klingt, endet schnell in IKEA-Lager-Atmosphäre. An der Wand hängen kleine Kistchen mit kurzen und langen Bleistiften  und Radiergummies, daneben noch ein Anspitzer. Nur was die Künstlerin Phoebe Washburn damit sagen möchte, bleibt zumindest mir verborgen.
“Das Recyceln von Sekundärstoffen kann als politisches Statement aufgefasst werden, als Kommentar auf die Überflussgesellschaft oder als Sinnbild (oder Symptom) heutiger Konsumgewohnheiten. Aber der Künstlerin geht es im Grunde vor allem darum, verbrauchte und vernachlässigte Materialien zu einem vitalen Ganzen zu kombinieren.” (aus der Pressemitteilung zur Ausstellung auf www.deutsche-guggenheim-berlin.de)Ach so. Schade aber, dass genau dieses vitale Ganze mit dieser Installation auf der Strecke bleibt. Dann doch lieber die Hommage an die Recyclingindustrie.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, geht ins Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13/15. Die Austellung hat noch bis 14. Oktober geöffnet, täglich 11 bis 20 Uhr. Eintritt sind für Erwachsene €4, ermässigt €3. Wer für die allgemeine Verunsicherung nicht auch noch blechen möchte, geht Montags. Da ist der Eintritt frei. Der Museumsshop lohnt einen Besuch, zu Recht findet man Postkarten mit der Aufschrift: “Und wo war jetzt der Rest vom Museum?”



5 Responses to “Ist das jetzt schon Kunst?”  

  1. 1 Jochen

    es scheint eine der schlimmeren krankheiten unserer zeit zu sein, kunst möglichst aussagenfrei zu halten oder ihre aussage zumindest so zu verkomplizieren und aufzublasen, dass letztlich viel gewollt und wenig gewonnen ist. die berlinertrendybohème ist an oder abgeturnt, gebraucht kunst und kultur ausschließlich zu meinungsbildung bezüglich kunst und kultur, weils so schön unverbindlich ist und das wars dann auch an wirkung. mehr bringts nicht, soll vielleicht auch garnicht sein.

  2. Kunst – schwierig zu definieren, und noch schwieriger zu machen. Kunst muss für mich zum Nachdenken anregen – aber wohl auch mit dem Ziel, irgendwann das Dargestellte richtig zu interpretieren. Mir kommt es so vor, als sei die Kunst nicht mehr das Forum für Statements oder Gedankenanstöße, sondern oftmals nur noch Mittel, um Aufmerksamkeit zu erreichen – egal, welcher Sinn letztlich dahinter steht.

  3. Ja, aber Schade drum! Ich finde: ohne Message geht’s nicht. Und wenn die nicht rüberkommt, ist das quasi das selbe.
    Oder die gute Frau Washburn hat nur “Quasikünstler” adressiert, und man versteht das alles nur, wenn man sich mit der Materie (also dem Sammeln von – Pardon – Schrott und anschliessenden “zusammenkunsten”) auskennt. Das fänd ich dann gemein. Kunst nur für die Elite.

  4. Sollte Kunst nicht auch für alle zugänglich sein? Im Moment sieht es so auch, als würde sie uns in Klassen teilen. Frech ausgedrückt – schlau = willkommen!, dumm = was willst du hier?
    Natürlich soll man sich seine Gedanken machen … Aber wenn keiner den Sinn versteht, dann ist es Handwerk (in diesem Fall eben ein besonders gutes im Müll-verarbeiten ..) und keine Kunst …

  5. Das ist ein interessanter Gedanke. Handwerklich hatte die gute Frau Washburn sicher was auf dem Kasten. Hat’ s inzwischen noch jemand gesehen?


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