Stand der Forschung [2]
• ALLTAGsein • Aufgrund der großen Nachfrage.
Wer hätte gedacht, dass ich schon an einem einzigen Tag in Lima so viele neue Sachen noch obendrauf entdecke?! Wenn das so weiter geht… Dann habe ich bald ganz viel Material auf das ich dann ganz stolz bin.
Aber der Reihe nach. Nachdem ich also heute morgen um halb sieben hier ankam, und ein Freund leider nicht am Busterminal auf mich wartete, musste ich mich wohl oder übel alleine durch die Stadt schlagen. Das hat aber funktioniert. Im Hostel war noch kein Bett frei, also habe ich erst einmal geduscht, meine Sachen weggeschlossen und gefrühstückt. Dann bin ich ein wenig durch die unmittelbare Umgebung geschlendert, um mich an Lima zu gewöhnen. Dabei war ich wieder in einem Buchladen und habe Julio kennen gelernt, einen Philosophiestudenten. Der hat sich dann gut eine Stunde Zeit genommen, mir jedes erdenkliche Buch zu zeigen, dass mit dem Thema zu tun hat und mir auch sonst viele Leseanregungen gegeben. Außerdem zeigt er mir bei Gelegenheit einen Markt, auf dem es Bücher aus 2ter Hand gibt – Studenten haben eben nicht unbegrenzte Ressourcen und Bücher sind hier nicht ohne, preislich… Dann bin ich direkt ins Museo de la Nación gefahren, wo die Ausstellung Yuyanapaq (Quechua für Zu Erinnern)auf mich wartete. Durch die hat mich Daniel geführt, und mir den Tipp gegeben, mal Huayno zu hören, Folklore aus Ayacucho. Die Region war vom Terror besonders betroffen, um nicht zu sagen auch ihr Ausgangspunkt und darum finden sich viele Anspielungen eben auch in der Musik wieder. Die Ausstellung habe ich dann angesehen und fotografiert. Morgen dann gehe ich in ein Büro, in dem die Besucherstatistiken und Gästebücher liegen, die mir dann Aufschluss darüber geben, was für Leute diese denn besuchen, und wie sie sie so finden. Dann habe ich noch eine Spezialbibliothek entdeckt, ein Museum für Kunst aus Ayacucho und einen weiteren hilfsbereiten jungen Mann, der in einem CD-Laden arbeitet und mir bereitwillig eine Huayno-CD nach der anderen aufmachte, damit ich die anhören kann. Außerdem hat er mir noch ein paar Punkbands gezeigt, die sich auch mit dem Thema beschäftigen. Wie gesagt, wenn dass so weiter geht, ist mein Notizbuch noch diese Woche voll.
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Tags: Ethnologie, Forschung, Geschichte, Kunst, Lima, Museum, Peru, Terror
Stand der Forschung
• ALLTAGsein • Heute abend geht es weiter. Nachdem ich nun fast drei Wochen hier in Trujillo war, fahre ich heute Nacht erst ein mal für weitergehende Recherchen nach Lima. Dort treffe ich ein paar Freunde, die Sekretärin einer Bürgerbewegung und gehe in eine Ausstellung. Meine Untersuchungen dazu, wie in Trujillo die Zeit des Guerillakrieges erinnert wird, entwickeln sich von Tag zu Tag anders. Mal treffe ich wundervolle Leute, die mir Gott und die Welt erklären und dann wieder verbringe ich ganze Tage nur zu Haus vor dem Laptop und lese mich durch Unmengen von Internetseiten. Dann wieder fehlt mir der Austausch und alle Fragen die ich habe, stellen sich nur meinem Tagebuch. Und das antwortet so selten… Bisher habe ich verschiedene Bibliotheken besucht, auf der Suche nach dem, was einem peruanischen Studenten so geboten wird, wenn er sich für diese Etappe der Geschichte interessiert. Habe in Buchläden Empfehlungen eingeholt (und werde dies auch in Lima fortsetzen) und mittlerweile drei verschiedene Ausgaben des Berichtes der Wahrheitskommission zusammengetragen. Habe mich mit einem Anthropologen über das Wahlverhalten unterhalten, habe die Direktorin der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der UNT (Universidad Nacional de Trujillo) getroffen. Die hat mir zu Hause ihre Bibliothek gezeigt und angeboten, mich mit ins Gefängnis zu nehmen, auf das ich dort Interviews mit den Insassen führe, die wegen Terrorismus einsitzen. Im Gegenzug hat sie mich gebeten, eine Art Gast-Lecture in einem ihrer Kurse zu geben. Und sonst so? Viel lesen…
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Buchstock
• BELESENsein • Stöckchen entdeckt bei blauer Suppe. Es bediene sich, wer mag.
5 Bücher vom Nachttisch (die einzigen, die ich dabei habe…)
Maurice Halbwachs: “Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen”
Salomón Lerner Febres, Josef Sayer (Hrsg.): “Wider das Vergessen. Yuyanapaq”
José Cortegana Salazar: “Para que la historia no se repita”
Bettina Beer (Hrsg.): “Methoden ethnologischer Feldforschung”
Roberto Bolaño: “2666”
Erster Satz des ersten Buches:
“Als wir neulich einen alten Band des Magasin pittoresque durchblätterten, stiessen wir auf eine einzigartige Geschichte.”
Letzter vollständiger Satz auf Seite 50 des zweiten Buches:
“Weder wurde sie von der Regierung unterstützt, noch verfügte sie über einen einheitlichen Oberbefehl.”
Zweiter vollständiger Satz auf Seite 100 des dritten Buches:
“Es asi como logra hablar con la Camarada Patty en el mes de noviembre de 1988, quien le contesta “yo soy la que he venido desde un principio y nosotros hacemos lo que el pueblo pide” (entrevista).”
Vorletzter vollständiger Satz auf Seite 150 des vierten Buches:
“Man kann jede Frage als offene oder als geschlossene Frage formulieren, aber die Pragmatik wird geschlossene Fragen für manche Bereiche ausschliessen.”
Letzter Satz des fünften Buches:
“Poco después salió del parque y a la mañana siguiente se marchó a México.”
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Tags: Bücher, Erinnerung, Ethnologie, Gedächtnis, Peru, Stöckchen
Eine Perle Ewigkeit
• FILMsein • Fausta ist eine sehr verschlossene junge Frau. Das hat sie von ihrer Mutter, die ihr über die Muttermilch ihre Ängste vermacht hat. La Teta Asustada nennt sich dieses Phänomen, an dem Frauen leiden, die in Peru während der Zeit des Terrorismus vergewaltigt wurden. Der gleichnamige Film von Claudia Llosa, der auf der letzten Berlinale den Goldenen Bären gewann, zeigt Faustas Weg in die Unabhängigkeit, nachdem ihre Mutter verstirbt.
Magali Solier, die Fausta spielt und mit der Regisseurin Llosa schon in deren Debüt Madeinusa (2006) gearbeitet hat, ist eine wunderbare Entdeckung. Von Freunden und Bekannten, die mir den Film empfehlen wollen, höre ich oft die Aschenputtel-eske Geschichte, wie sie auf der Plaza de Armas in Ayacucho irgendetwas verkauften wollte und dabei entdeckt wurde. Mittlerweile ist sie in Peru keine Unbekannte mehr. Wandelbar, und doch mit einer gewissen Konstanz verarbeitet sie verschiedene Charaktere. Ganz besonderen Zauber entfalten allerdings die Lieder, die sie singt. Auf Quechua (einer inidgenen Sprache aus dem Andenraum Perus, Boliviens und Ecuadors) versucht sie, ihrer Angst und ihrer Geschichte habhaft zu werden.
Der Film zeigt ein Peru, dass Freunde und Kenner spanisch-/lateinamerikanischer Filme nicht überraschen dürfte, und dennoch von der für Touristen aufbereiteten Fassade abweicht. Leicht konsumierbar ist La Teta Asustada (dt. Titel Eine Perle Ewigkeit) nicht. Die ganze Bandbreite diese Landes abzubilden, gelingt ihm dennoch nicht. Was aber nicht so sehr dem Film oder der Regisseurin anzulasten wäre, sondern vor allem an der Vielseitigkeit Perus scheitern muss.





In Berliner Kinos nur im Original mit Untertiteln. Läuft nur noch im Moviemento.
Update (02.02.2010): Jetzt auch für den Oscar als Bester Nicht-englischsprachiger Film nominiert.
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Tags: Film, Frauen, La Teta Asustada, Peru, Vergangenheit
Keine Sorge
• WELTsein •
Liebe Freunde, Verwandte, Bekannte, LeserInnen,
Entwarnung: Ich befinde mich nicht im Süden Perus und denkbar weit weg vom Machu Picchu, sodass kein Grund zur Sorge besteht darüber, dass mich eine Schlammlawine mitreist, ich in Aguas Calientes mit weiteren 2000 Touristen festsitze, oder wegen prekären Versorgungsbedingungen noch dünner werde. El Niño verschont bisher den Norden des Landes. Ein kürzliches Erdbeben der Stärke 5,8 habe ich ebenfalls nicht bemerkt hier in Trujillo, obwohl es Gerüchten zufolge auch in einigen Bezirken zu spüren war.
Mehr Informationen zum Wetterphänomen El Niño und der Lage im Süden hier.
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Tags: El Niño, Peru, Sorgen, Wetter
Waschtag
• ALLTAGsein • Heute ist wieder einer dieser Tage, die man am Liebsten nur unter der Dusche verbringen würde, um sicher zu gehen, dass das Wasser, das an einem herunter läuft, nicht der eigene Schweiss ist. Die Sonne brät, sodass ich innerhalb von 20 Minuten einen Sonnenbrand bekommen habe, nur auf dem Weg zur Lavanderia, meine Wäsche waschen. Am besten, ich gehe erst wieder raus, wenn die Sonne schon wieder untergeht, oder so ab vier, da lässt es sich ein wenig besser ertragen. Innerhalb von zwei Stunden schon zwei mal das T-Shirt gewechselt (ohne geht ja leider nicht). Wenn das so weiter geht, muss ich morgen wieder waschen.
“Leonie Steinmetz” / www.jugendfotos.de
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Tags: Hitze, schwitzen, Sonne, warm, Waschen




Name: Hendrikje Grunow

