Global was?

10Nov09

• WIRsein Während gefühlt alle anderen Unis der Welt sich mit den Wiener Studierenden solidarisieren und die eigenen Unis besetzen, bleibt in der Schweiz alles ruhig. Selbst im Wohnheim, wo so viele von so vielen Orten der Welt zusammen kommen, erstaunlich konservative Stimmung. Am lautesten nur zwei Stimmen: diejenige die sagt „Da gehen doch eh nur linke Spinner demonstrieren, die zu faul sind zum arbeiten.“ und – etwas leiser – diejenige, die sagt „Aber die Bedingungen sind schon nicht optimal…“

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„Julia Perkuhn“ / www.jugendfotos.de

Episode vom Esstisch: Politikwissenschaftler schneidet das Thema Bildungsstreik an, Jura-Student will Eindruck schinden und sagt, als „die“ den Hörsaal besetzt haben, hätten sie die Bullen gerufen und den Saal räumen lassen. Der Politikwissenschaftler schweigt betreten.

Für alle, die trotzdem mitmachen wollen und den Mut haben, gegen die stumme Masse anzuschreien, hier der Link zum International Student Movement. Die Global Action Week begann am Montag – noch ist sie nicht zu Ende. Für die Vernetzung und Neues aus deutschen Unis und Wien, klickt hier. „Education is not for sale!“


• MUSIKseinWeil wir alle eigentlich schon wieder genug haben von 20 Jahren Mauerfall, jetzt mal zu anderen Ruinen. An dieser Stelle, wie auch schon hier und hier, stelle ich wieder eine Schweizer Formation vor, die sich der melodischen Abendgestaltung verschrieben hat. Wie auch schon Lia traten die Ruins im Hartholz auf, dem ich demnächst wohl seinen eigenen Blogeintrag widmen werde können, als quasi Stammgast am Samstagabend…

Am 31. Oktober, Halloween, hatten sich die drei (Wahl-)Zürcher von The Ruins besonders schick gemacht in Blaumann, Unterhemd und Strohhut. Life tausendmal besser als auf Myspace und auf der EP, die wir für 5CHF ergattert haben (was im Übrigen ein wirklich moderater Preis ist). Aber trotzdem erwähnswert. Persönlicher Fave: Judging. Für Fans von Ryan Adams und ein bisschen Devendra Banhart und Lucinda Williams.


• WIRseinDie Sonne scheint und die Bäume sind fast kahl. Die kalte Luft kommt aus meinem Herzen und friert alles ein. Seit Tagen blockiert. Der Geist ist willig…

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„Amelie Befeldt“ / www.jugendfotos.de

Gott sei Dank gab’s am Wochenende Besuch. Furchtlos versprochene Abwechlsung.


• WIRseinNur um noch einmal auf meine (unsere!) Persönlichkeitsrechte zu sprechen zu kommen. Nicht nur, dass wir also nicht mal um unser Einverständnis gefragt werden, wenn in unseren Wohnräumen gefilmt wird. Seit kurzem hängen sogar in der Lounge ein paar Regeln aus!

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„Jona Hölderle“ / www.jugendfotos.de

Um nur einige zu erwähnen: Die Fenster müssen ab 22 Uhr geschlossen gehalten werden wegen eventueller Lärmbelästigung. (Wäre ja möglich, wenn die Temperaturen in der Lounge nicht regelmäßig an den tropischen Regenwald erinnern würden – aber dafür ist es in vielen Zimmern ja schön kalt.)

Öffentliche Musik-Performances sind verboten. (Hä? Hab ich was verpasst?)

Events mit mehr als 20 Personen müssen angemeldet werden. (Ja, es handelt sich um einen geschlossenen Raum, in dem an jedem Abend schon allein beim Essen mehr als 20 Leute zusammen kommen.)


• WIRseinAn dieser Stelle dann doch mal eine Medienkritik. Lieber Schweizer Presse, du nervst! Ich bin nicht mehr sicher, in welcher Zeitung wir noch nicht erwähnt wurden. Obwohl „wir“ hier nur zur Hälfte zutrifft. Aber fangen wir mal vorne an. Seit ich hier eingezogen bin, war – so kommt es mir jedenfalls vor – jede Woche ein anderes Presseteam da. Wir waren schon in der NZZ (bevor wir überhaupt eingezogen sind), im Tagesanzeiger, in etlichen Studierendenzeitungen und heute sogar im Schweizer Fernsehen.

Bisher war ich mir nicht im klaren darüber, dass ich offensichtlich mit meinem Mietvertrag auch die Einschränkung meiner Persönlichkeitsrechte unterschrieben habe – aber ich bin ja ohnehin bloß ein weniger interessanter Exot hier. Denn in den Artikeln und Ausschnitten kommen ausnahmslos die „Fremden“ vor. Mit Vorliebe werden Inder und Chinesinnen interviewt, was sie kochen, dann werden Fotos mit möglichst nicht europäisch-Aussehenden gemacht und einmal in den Topf geblendet.

Immer wieder wird erwähnt, dass hier 169 Studenten aus 36 Ländern an 24 Herdplatten kochen. Immer wieder ist auch Kritik an der Küche zu hören, die, das kann ich hier ruhig noch einmal wiederholen, einfach zu klein ist für besagte 169 Leute. So klein, dass einige es aufgegeben haben, zu kochen. Wie sie das finanzieren, ist mir ein Rätsel. Kein Rätsel hingegen ist, warum die Putzfrauen immer dann besonders akribisch (und besonders terminnah – böse Zungen behaupten überhaupt) putzen, wenn mal wieder irgendein Wurstblättchen sein Erscheinen angekündigt hat. Die Küche bleibt Streitfall Nummer 1, denn hier zeigt sich die Fehlkonstruktion am schnellsten. Nur selten findet sich in der Prime Time (19 bis 21 Uhr) ein sauberes Geschirrhandtuch – geschweige denn überhaupt Utensilien. Gläser sind nach sechs Wochen längst nicht mehr für alle da.

Dafür hängen aber an jeder Ecke nicht ganz so freundliche Hinweise, wie man sich zu verhalten hat. Die Küche ist übersäht mit „Kitchen Rules“, an den Abstellkammern steht, dass hier nun kein Müll mehr entsorgt werden darf, weil die Internationals mehr als vier Wochen gebraucht haben, um das Schweizer Recyclingsystem zu durchschauen. In den Duschen steht das Wasser, in der Küche das dreckige Geschirr. Aber man kann natürlich auch erstmal eine Mieterhöhung androhen, wenn wegen der Zustände in der Küche eine zusätzliche Putzfrau eingestellt werden muss.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.


Außer Haus

28Okt09

• MUSIKseinNeulich hatte ich bereits über den unverkäuflichen Fisch berichtet. Es bleibt nass in der Schweizer Musikszene, von Lias Fischstand fort lockt der Ruf der Calling Sirens. Die kann ich – das ärgert mich sehr – leider nicht live sehen, denn nach Zürich kommen sie in nächster Zeit nicht, und das Umland scheint an Samstagabenden erstaunlich weit weg und vor allem: kostspielig. Deshalb müsst ihr euch mit ihrer Myspace-Seite zufrieden geben (und fleißig „night out“ hören). Wer Damien Rice liebt, wird die Calling Sirens mögen.

The Calling Sirens live @ Papiersaal